Die fiktive Firma IT Branchen Solution GmbH erstellt Software. Zwei Gründer haben sich mit Hilfe innovativer Technik ein gutes Standbein erarbeitet, sie haben expandiert, Mitarbeiter eingestellt und treiben die Entwicklung ihrer Software voran.
Und es kommt, wie es kommen muss: es häufen sich die Beschwerden der Hotline, dass Kunden ständig anriefen, irgendetwas funktioniere nicht. Die Entwickler müssen aufwendig den Problemen hinterherspüren, um dann einen Fehler in der Software zu finden (oder auch nicht). Je nach Kunde und Situation muss ein Bugfix oder Patch erstellt werden, was so schnell wie möglich an die entsprechenden Kunden ausgeliefert wird. Das wiederum führt zu einem Versionschaos (”Bei welchem Kunden ist denn nun was installiert?”), was nicht mehr handhabbar ist. Das Chaos ist Perfekt, die Firma sitzt in der Sackgasse und bewegt sich nur noch um sich selbst. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind direkt oder indirekt mit der Kundenbetreuung beschäftigt, Weiterentwicklung findet nur noch im Hauruckverfahren statt oder wird von wenigen Mitarbeitern in Nacht- und Wochenendschichten durchgepeitscht.
Na, fühlt sich jemand angesprochen? Sind auch sie in dieser Situation? Oder kurz davor? - Dann kommt bestimmt jemand in ihrer Firma auf die Idee: “Testen! Man müßte doch die Software mal testen, bevor sie ausgeliefert wird.”
Und da niemand weiß, wie das richtig geht, sich die Entwickler angegriffen fühlen, sie hätten Unsinn programmiert und die Hotline nur noch genervt ist, haben sie eine Bombenstimmung in der Firma.
Natürlich könnte man jemanden Fragen, der sich damit auskennt (z.B. mich oder die Kollegen
), aber das kostet echt Geld. Und natürlich soll alles besser werden, nur kosten darf es nichts! Und deshalb beginne ich jetzt hier eine kleine Reihe zum Thema: Wie starte ich mit dem Test von Software?
Themen
0) Warum mache ich mir die Mühe überhaupt?
1) Voraussetzungen für das Gelingen von Softwaretest und -qualitätssicherungsmaßnahmen
2) Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, kann ich auch nicht überprüfen, ob ich angekommen bin: Anforderungsmanagement
3) Wie kann ich herausfinden wo ich bin, wenn ich nicht wußte, wohin ich gehe? - Explorativ Testen
4) Testen meßbar machen: Qualitätsmerkmale
5) Wann kann ich denn aufhören: Riskominimierung
6) Das Ergebnis meßbar machen: Metriken
Ich werde versuchen, das Ganze im Rahmen des “Best Practice” zu behandeln, denn umfassende (und auch sehr gute) Grundlagenliteratur zu diesem Thema gibt es zu Hauf. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man durch das Lesen solcher Bücher zwar weiß, wie es theoretisch geht. Damit ist man aber praktisch noch keinen Schritt weiter.
Solch eine Artikelreihe kann naturgemäß nur unvollständig bleiben. Dazu ist das Thema zu komplex. Aber ich werde den Versuch starten, erste Schritte in die richtige Richtung zu weisen, so dass man von dort dann, vielleicht auch mit Hilfe einschlägiger Literatur, oder externer Hilfe, weiterarbeiten kann.
Und natürlich hoffe ich auf zahlreiches Feedback
